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Photoshop und Print?

Themen: Printdesign, Tipps und Tricks
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photoshop und print

Es gibt seit Jahren eine elitäre Gemeinschaft der “echten” Designer, die für Print ausschließlich Illustrator oder Indesign nutzen und im Leben nicht zu Photoshop greifen. Sie brüsten sich mit der Professionalität, die den “Unwissenden” fehlt, welche für Drucksachen Photoshop einsetzen, keine Ahnung haben, wie viel Qualität dabei verloren geht und nichts von Farbprofilen und Vektoren verstehen .. mhhh …anyway.

Ich bin an der Stelle recht pragmatisch und werde in diesem Beitrag zeigen, warum und wie man Photoshop wunderbar für einfache Drucksachen einsetzen kann, die qualitativ mit den Erzeugnissen professioneller Layoutprogramme auf Augenhöhe stehen. 

Stimmts denn überhaupt?

Zuerst einmal die Frage: Hat man mit einem aus Photoshop generierten Printprodukt wirklich eine schlechtere Qualität als mit einem aus Illustrator oder Indesign erstellten? Ich würde sagen: Erst einmal “ja”, dann aber auch ein bisschen “nein”.

Ja, weil die Grafikerstellung mit Illustrator und Indesign auf Vektoren basiert, während Photoshop auf Pixel setzt.

Nein, weil man mit der richtigen Druckauflösung diesen Unterschied nur bei genauem Hinsehen merkt und man außerdem auch in Photoshop mit Vektoren arbeiten kann.

Vektor vs Pixel

Vektoren haben tatsächlich einen sehr großen Vorteil gegenüber Pixeln. Nämlich den, dass sie frei skalierbar sind und immer scharfe Linien und Kanten aufweisen. Zoomt man in ein Pixelbild hinein, sieht man irgendwann deutlich die einzelnen Bausteine der Grafik, auch bei hoher Auflösung. Bei Vektoren ist es egal wie stark gezoomt wird – die Kanten bleiben gleich. Vektoren zu verwenden, ist für den Druck also ein großer Vorteil und ist in der Schärfe des Endprodukts auch deutlich sichtbar. Zudem sind die Dateien wesentlich kleiner als Pixeldateien, denn sie beinhalten nur die Informationen der Farben und der Ankerpunkte, die die Grafik begrenzen, während eine Pixelgrafik quasi wie auf einem Schachbrett Informationen zu jedem Punkt mit dem entsprechenden Farb- und Helligkeitswert speichern muss.

Die Schwierigkeit bei Photoshop ist, dass es in erster Linie für Bildbearbeitung erschaffen wurde und somit nicht primär mit Vektoren arbeitet. Wer aber mit dem Programm vertraut ist, weiß, dass es durchaus ein Tool für Pfade gibt und dass auch Texte, die in Photoshop generiert werden, auf Pfaden bzw. Vektoren basieren. Diese werden allerdings mit der Ausgabe des Dokuments in eine Bilddatei – wie z.B. ein JPEG – ebenfalls zu Pixeln gemacht. Der Trick ist es also, die Vektoren zu erhalten.

Die richtige Auflösung

Wenn ein neues Dokument angelegt wird sollte zuerst einmal darauf geachtet werden, dass es die richtige Auflösung hat. Damit sind nicht die bloßen Pixelmaße gemeint, sondern die DPI (dots per inch – Maßeinheit für die Auflösung im Druck). Diese sind standardmäßig auf 72 eingestellt, da das dem Wert entspricht, mit dem Pixel auf einem normalen Monitor (ausgenommen Retina Displays) für unser Auge in saubere Linien übergehen. Für den Druck wäre diese Auflösung fatal, da die Druckpunkte wesentlich feiner aufgelöst sind. Für Printprodukte, die man in der Hand halten kann, ist ein Wert von mindestens 356 dpi ratsam. Bei Plakaten, die aus weiterer Entfernen betrachtet werden, funktionieren auch Werte zwischen 150 dpi und 300 dpi.

Mit Vektoren arbeiten

Wenn nun ein schöner Flyer entstehen soll, bietet es sich an, die Grafiken mit den Pfadwerkzeugen anzulegen und entweder mit selbigen mit einer Vektormaske einzugrenzen oder mit Pfadformen zu arbeiten. Diese sollten auch als eigenständige Ebene erhalten bleiben und nicht zusammengefügt werden, sonst geht der Vorteil der Vektoren verloren. Texte, Buchstaben, Überschriften oder Schriftzeichen sind immer vektorbasierte Elemente, da sich Typefaces auf diesem Prinzip gründen. Man sollte aber darauf achten, dass sie vor der Ausgabe der Datei in Pfade umgewandelt werden, indem man mit Rechtsklick auf die entsprechende Textebene klickt und In Form umwandeln auswählt. Achtung: Danach sind sie nicht mehr als Text editierbar, sondern verbleiben als Pfad. Ein Backup der Ebene schadet also nicht.

Übrigens: Wenn normale Fotos oder sonstige Pixelbilder verwendet werden sollen, müssen diese natürlich nicht mit irgendwelchen Experimenten in Pfade umgewandelt werden. Das führt selten zu ansehnlichen Ergebnissen, zumal diese mit ausreichender Auflösung keine sichtbaren Qualitätseinbußen ausmachen. Die Qualität zeigt sich in erster Linie an Elementen mit scharfen Kanten.

Richtig ausgeben

Wenn nun auf diesem Wege ein ordentliches Print-Design entworfen wurde, muss dieses noch in das richtige Dateiformat gespeichert werden. Wenn es nun einfach als Bilddatei ausgegeben wird, war die ganze Vorbereitung für die Katz. Das Format der Wahl für den Druck ist das PDF-Format. Es speichert im Vergleich zu JPEG oder PNG auch Vektoren ab und lässt die Pixel weitestgehend unkomprimiert. Es kann sogar die Schriften einbetten und man hat im Exportfenster eine große Kontrolle über die Ausgabeeinstellungen.

Die richtige Ausgabeeinstellungen für den Druck sind i.d.R. die Adobe PDF-Vorgabe: [Qualitativ hochwertiger Druck] und der Standard: PDF/X-1a:2003. Bei diesbezüglichen Zweifeln einfach das Datenblatt der Druckerei aufrufen oder dort anrufen und nachfragen. Die Komprimierung sollte der Auflösung des Dokuments entsprechen -nachträgliches Hochrechnen ist nicht sonderlich sinnvoll. In der Ausgabe sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass es – sofern nicht schon geschehen – in ein CMYK-Dokument konvertiert wird. Es ist kein Beinbruch im RGB-Modus zu arbeiten und erst bei der Ausgabe zu konvertieren. Man kann sich, um falschen Farben vorzubeugen, den Farbproof zur Hilfe nehmen, der unter Ansicht zu finden ist, und so sichergehen, dass alle Farben im Rahmen des druckbaren Bereichs liegen.

Das Farbprofil der Wahl ist übrigens „ISO Coated v2 300% (ECI)“ aber dieses Thema verdient einen eigenen Beitrag.

Und das war es auch schon, viel mehr gibt es gar nicht zu beachten.

Fazit

Photoshop eignet sich mit der richtigen Vorbereitung auch zum Gestalten von einfachen Druckprodukten. Mehrseitige und anspruchsvollere Herausforderungen sind hingegen besser mit Indesign zu bewältigen. 

Wenn den Hinweisen hier Folge geleistet wird, darf man sich einer hervorragenden Druckqualität erfreuen und den spottenden Blicken der “echten” Designer mit dem Ergebnis etwas entgegensetzen. :-)




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Rüdiger Lauktien
ist seit 2011 freiberuflicher Designer und Digital Artist aus Berlin, hat Kommunikationsdesign studiert und bloggt seine Gedanken und Tipps zu den Themen Postproduction und Bildmontagen mit Photoshop, allgemeines Design und Selbstständigkeit.