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Weltuntergang und Vintage-Farblook mit Gradationskurven

Themen: Bildoptimierungen, Fotomontage, Tipps und Tricks
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Eine reinste Photoshop-Freude ist es, Dinge maßlos zerstören zu können und sich danach bei niemandem entschuldigen zu müssen :-) . Um diesen Spaß möglichst cineastisch und martialisch zu gestalten, gibt es in diesem Beitrag wichtige Hinweise, wie eine Bildmontage mit einem guten Bild- bzw. Farblook so richtig zu leben beginnt.

Der Look gibt den Kick

Dieses Composing war ursprünglich ein einfaches Stadtbild aus der Luft aufgenommen von einer tollen Seite für kostenlose Stockfotos. Nach und nach habe ich dem Bild mehr zerstörerische Teile, Explosionen und Spuren der Verwüstung hinzugefügt und es abschließend mit einem Look versehen. Wieder einmal ist mir dabei aufgefallen, dass die letzten 10 % der Arbeit 90% der Wirkung des Bildes ausmachen – und zwar auf Grund des besagten Bildlooks. Es befinden sich hunderte Ebenen in der PSD -Datei dieses Composings aber es ist nur eine einzige Einstellungsebene mit einer Gradationskurve, welche diese besondere etwas vintage-mäßige und filmreife Farb- und Lichtwirkung hervorruft und so den einzigartigen Look garantiert.

Natürlich ist die eigentliche Modifizierung der Bildteile deswegen nicht unwichtig, im Gegenteil – hier gilt generell der Grundsatz: Je besser das Material, je sauberer es freigestellt ist, je besser die Perspektiven sind und je passender die Elemente zueinander stehen, desto besser ist das Endresultat. Wichtig zu wissen für das Arbeiten mit Bildmontagen ist aber, dass das Bild nicht mitten im Gestaltungsprozess perfekt gut aussehen muss, sondern dass es reicht, wenn das Bild mit seinen Einzelteilen zu einer halbwegs homogenen und logischen Erscheinung zusammengefügt wird. Denn der wirkliche Look und das echte Feeling kommt erst ganz zum Schluss mit den letzten Pinselstrichen.

Wie bekommt den perfekten Farblook?

Die oben erwähnte Ebene mit den Gradationskurven sieht wie folgt aus:

Die Gradationskurve muss in den einzelnen Farbkanälen bearbeitet werden und sorgt so für eine modifizierte Farbüberlagerung. Das Histogramm im Hintergrund zeigt die ganze Colorrange des Farbtons an, wobei die linke Seite die Tiefen bilden und die rechte Seite die Höhen und je nachdem, wie hoch der „Berg“ ist, so stark sind die Farbinformationen in diesem bestimmten Bereich vertreten. Bei der Kurve – die unmodifiziert ja nur eine Gerade ist – ist wichtig zu wissen, dass sie komplementär arbeitet. Greife ich die Linie bspw. im Kanal „Blau“ in der Mitte und schiebe sie nach oben, verstärke ich die Farbe „Blau“ im mittleren Tonwertbereich des Bildes, schiebe ich sie eher nach unten, kommt mehr „Gelb“ ins Bild.

In meinem Composing habe ich zuerst den Kanal „Blau“ gewählt, die Linie in der Mitte gegriffen und ein wenig nach unten gezogen und damit einen stärkeren Gelbanteil ins Bild geholt. Außerdem habe ich den Ankerpunkt unten links ein bisschen nach oben verschoben und den Ankerpunkt oben rechts ein bisschen nach unten. Das hat einen sehr schönen Effekt, weil es den Blaubereich in den Tiefen und den Gelbbereich in den Höhen stark erhöht. Das allein genügt, um einen Vintage-Farblook zu kreieren. „Rot“ habe ich oben rechts etwas nach innen gezogen und somit „Rot“ in den Höhen verstärkt. Hätte ich es in die andere Richtung geschoben, wären mehr Grünanteile ins Bild gekommen – alles funktioniert komplementär.

So einfach kreiert man einen wunderschönen Bildlook und den Unterschied könnt Ihr hier sehen.

Weitere Schritte für ein aufregendes Bilderlebnis …

… sind zum Beispiel das erzeugen künstlicher Chromatischer Abberationen, mit welchen ich mich in diesem Beitrag schon ausführlicher befasst habe. In diesem Fall habe ich mit Cmd/Strg + Alt + Shift + R alles auf eine Ebene gestempelt und habe diese mit Filter > Objektivkorrektur bearbeitet, in welchen ich den Magenta/Grün-Kanal verstärkt und den Rot/Grün-Kanal reduziert haben. Das Ergebnis sind am Rand der Bildmontage wunderschöne Chromatische Abberationen, die dazu beitragen, dass das Bild als echtes Foto empfunden wird. Außerdem habe ich eine “Dodge and Burn”-Ebene mit Cmd/Strg + Shift + N angelegt und diese mit Filter > Rauschfilter > Rauschen hinzufügen versehen. Der Ebenenmodus Weiches Licht sorgt dafür, dass ein gleichmäßiges Rauschen auf das Bild gelegt wird, ohne dass ich das Bild dafür zusammenstempeln muss. Ein ebenfalls schöner Effekt, der für mehr “Realismus” sorgt.




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Rüdiger Lauktien
ist seit 2011 freiberuflicher Designer und Digital Artist aus Berlin, hat Kommunikationsdesign studiert und bloggt seine Gedanken und Tipps zu den Themen Postproduction und Bildmontagen mit Photoshop, allgemeines Design und Selbstständigkeit.